Slow Fashion-Blogs

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Nun mal langsam!

Foto: Alex Niederhofer

Slow Fashion-Blogs

Mittlerweile dürfte jedem klar sein: Das 3 Euro-Shirt steht für schwindende Rohstoffe und miese Arbeitsbedingungen in den Mode-Fabriken. Die „Öko-Klamotte“ jedoch galt noch vor ein paar Jahren als nicht shopable, Vergleiche mit Jutesäcken waren nicht selten. Das hat sich geändert: Slow oder Fair Fashion bietet junge nachhaltige Mode und macht es möglich, auch sehr ansehnlich zum Thema zu bloggen.

Think twice

Laurel geht nicht einfach Klamotten kaufen. Die Shoppingtouren des Studenten bestehen aus vielen kleinen einzelnen Schritten, an deren Ende gar nicht so oft der Gang zur Kasse steht. „Ich stelle mir dabei immer wieder die Fragen: ‚Brauche ich das wirklich? Was bringt es mir? Ist es so unglaublich toll, dass ich es kaufen will?‘ Und fast immer ist die ehrliche Antwort am Ende: Nein“, erzählt Laurel, der in Wien Literaturwissenschaften studiert.

Will es ein Mantel, ein Shirt oder eine Hose doch in seinen Kleiderschrank schaffen, dürfen sie in keinem Fall aus Plastik bestehen. „Ich möchte keine Kunstfaser direkt am Körper tragen“, sagt Laurel. Zu viel Mikroplastik, die sich beim Waschen herauslöst, zu viele Chemikalien, die nicht zu 100 Prozent unbedenklich sind. Auch der Herkunftsort spielt eine Rolle. Aber: „Nur, weil etwas beispielsweise in der EU hergestellt wurde, bedeutet das nicht, dass es fair ist, und nur, weil etwas aus Indien kommt, heißt das nicht, dass es aus ausbeuterischer Arbeit stammt“. Laurel scheut keine Mühe und recherchiert auch auf den Webseiten der Marken nach den Produktionsbedingungen in den Herkunftsländern. „Ich möchte einfach nicht, dass eine Frau, die mein T-Shirt genäht hat, davon nicht leben kann, weil sie von einem ausbeuterischen Konzern nicht gut genug bezahlt wird.“ Was für die einen vielleicht nach einem aufwändigen Kaufprozess aussieht, ist für Laurel heute selbstverständlich.

Laurels Herbstoutfit ist fast komplett secondhand. So bekam er auch den Burberry-Trenchcoat zu einem schmaleren Taler. (c) laurelkoeniger.com

Laurels Herbstoutfit ist fast komplett secondhand. So bekam er auch den Burberry-Trenchcoat zu einem schmaleren Taler. (c) laurelkoeniger.com

Interessanterweise brachte ihn eine typische Beauty- und Modeinfluencerin auf das Thema Fair Fashion. Madeleine vom bekannten Fashion-Blog dariadaria.com legte 2017 einen radikalen Wandel zur Aktivistin für mehr Nachhaltigkeit und gegen Fast Fashion hin. Laurel dachte damals zum ersten Mal über Themen wie faire Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit und Plastikpartikel in den Weltmeeren nach, und startete im selben Jahr seinen Blog laurelkoeniger.com. Sein Ziel: Die Nachricht verbreiten, dass Nachhaltigkeit nicht langweilig und anstrengend ist, sondern schön sein und sogar Spaß machen kann. Nebenbei berichtet er auf seinem Podcast „Königlich verwirrt“ aus seinem Leben als Student und Influencer.

Auf Laurels Blog und seinem Insta-Profil spricht der Student neben fairem Shoppen auch über Naturkosmetik und Food. Denn: Bei einem nachhaltigen Lebensstil gehen alle diese Bereiche ineinander über. Laurel lebt Slow Living. Und so wie das Kaufen von Kleidung ein bewusster Akt ist, begegnet er auch anderen Dingen im Tagesverlauf achtsam. „Ich möchte mir eine Teepause gönnen können, in der ich zehn Minuten brauche, um Tee zu machen, und danach noch mal 20 Minuten, um ihn in Ruhe zu trinken“. Für den Wiener ist das die Gegenbewegung zu Kapselkaffee, der in zehn Sekunden fertig ist. Mit seinem Handeln will Laurel andere inspirieren, es ihm gleichzutun. „Ich glaube nicht daran, allein die Welt zu ändern“, sagt er, „aber ich unterstütze jene, die es bereits viel erfolgreicher tun als ich, und jene, die einfach mitmachen wollen.“

Niemand soll für eine Hose leiden

Als Justine etwa neun Jahre alt war, entschied sie sich eines Tages dazu, vegetarisch zu leben, und hielt den Bewohnern ihres Heimatdorfes Zeitungsauschnitte mit Fotos von unwürdiger Massentierhaltung vors Gesicht. „Die Leute haben sich aber null dafür interessiert und wollten nicht die Bohne fleischlos leben“, erinnert sich die 25-Jährige.

Davon beirren ließ sich Justine jedoch nicht. Heute lebt sie vegan, zieht am Wochenende über die Bauernmärkte in und um Wien und lebt fair. Dazu gehören nicht nur saisonale Lebensmittel, sondern auch nachhaltige Kleidung. Qualität und gute Arbeitsbedingungen sind dabei am wichtigsten. „Ich möchte ein Teil ewig lange tragen. Das ist eben nur möglich, wenn dieses das auch mitmachen kann“. Also kommt ihr nur faire oder Second Hand-Mode in den Jutebeutel. „Ich denke gar nicht darüber nach, weil es eben auch das normalste der Welt sein sollte, dass andere Menschen nicht für den Pulli oder die Hose, die ich trage, leiden müssen.“

Justine trägt fair: Jacke und Hose von ARMEDANGELS, Pulli von ihrem eigenen Label TOO COOL FOR CRUEL. © Alex Niederhofer

Justine trägt fair: Jacke und Hose von ARMEDANGELS, Pulli von ihrem eigenen Label TOO COOL FOR CRUEL. © Alex Niederhofer


Zum Glück ist der Markt an nachhaltiger Mode in den letzten Jahren stetig gewachsen. Justine hat den Wandel zu mehr Nachhaltigkeit verfolgt, über Social Media stößt sie auf immer mehr Themen, die sie heute neben Fair Fashion bewegen: Healthy Food, Achtsamkeit, Klimawandel, ethisches Wirtschaften. „Wenn man beginnt, Dinge zu hinterfragen und bewusster zu konsumieren, stellt man immer mehr Konsumgüter und Gewohnheiten in Frage.“ Auf ihrem Blog justinekeptcalmandwentvegan.com teilt Justine ihr Wissen. Und sie trägt auch selbst zu mehr Fairness in der Modewelt bei: 2018 hat mit ihrem Freund Alex das Statement Brand „TOO COOL FOR CRUEL“. Ob Hoodie oder Shirt – alles ist vegan und wird plastikfrei verpackt und CO2-neutral verschickt.