Studieren in Russland - Alles, was du wissen musst!

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Willkommen im Land der Matroschkas!

Foto: unsplash/Nikolay Vorobyev

Studieren in Russland - Alles, was du wissen musst!

Russland ist das flächenmäßig größte Land der Erde. Sein Uralgebirge trennt Europa von Asien und ist damit inmitten unterschiedlicher Kulturen, Sprachen und Religionen. Im Jahr 2003 trat Russland dem Bologna-Prozess bei und stellte damit seine Studiengänge ebenfalls auf das Bachelor-Master-System um. Wir stellen das ehemals ungewöhnliche Ausstauschland vor und zeigen die vielfältigen Studienmöglichenkeiten.

1. Russland als Studienland – Was ist das besondere?

Russland ist ein Land, in dem mehr als die Hälfte seiner Einwohner einen Universitätsabschluss besitzt. Die russischen Universitäten bieten ihren Studenten komfortable Studien- und Lebensbedingungen und helfen ihnen, sich an das Land anzupassen.
In Russland bieten sich Austauschprogramme für Studierende aller Fachrichtungen - ein Sprachkurs mit Kulturprogramm in Sankt Petersburg, Management in Moskau oder die Erforschung der sibirischen Pflanzenwelt, die Möglichkeiten sind vielfältig. Die Akademischen Auslandsämter und der DAAD informieren über universitäre Partnerschaften und Austauschprogramme.
Die Ausbildung in Russland ist viel erschwinglicher als in den USA oder im Vereinigten Königreich. Außerdem haben internationale Studenten die Möglichkeit, auf Kosten des Regierungshaushalts kostenlos zu studieren. Jedes Jahr nimmt Russland Studenten aus der ganzen Welt, aus fast 170 Ländern, auf, und Sie können sich ihnen anschließen.

2. Hochschullandschaft und Studiensystem

Russische Hochschulen können nach unterschiedlichen Kriterien unterteilt werden. So gibt es zum einen klassische Universitäten, die sich gegenüber anderen Hochschulen durch ein breites Angebot an Fächern auszeichnen, Akademien und Hochschulen mit Spezialisierungen, welche mit einer engen fachlichen Ausrichtung lehren und forschen sowie private Hochschulen.
Das russische Hochschulwesen unterscheidet sich überwiegend vom westeuropäischen Studiensystem. Dabei liegt der größte Unterschied darin, dass das Prinzip von Forschung und Lehre nicht verankert ist. Die russische Regierung hat sich allerdings zum Ziel gesetzt, die Qualität der Hochschulbildung zu verbessern und diese zielgerichteter an internationale Entwicklungen anzupassen sowie die universitäre Forschung zu stärken. Weiterhin ist ein Studium in Russland sehr straff organisiert und bietet kaum Wahlfreiheit, weil meist zentralisierte Lehrpläne den Inhalt und Aufbau des verschulten Unterrichts bestimmen.
Die russischen Universitäten bieten mehrere Arten von Ausbildung an. Zum einen gibt es eine Vollzeitausbildung, bei der man tagsüber in den Universitätsklassen anwesend sein muss. Zweitens gibt es die Abendvariante, bei der du an Wochentagen abends und an Wochenenden den Unterricht besuchst. Drittens kann man sich für eine Teilzeit-Immatrikulation entscheiden, bei der die Studenten Einführungsvorlesungen hören und anschließend zu Hause nach einem speziell entwickelten Lehrplan studieren und dann an die Universität kommen, um Prüfungen und Examen zu absolvieren

3. Studieren in Russland: Voraussetzungen

Die allgemeine Hochschulreife oder andere ausländische Bildungsnachweise, die dort oder in anderen Ländern zum Hochschulstudium berechtigen, sind nicht automatisch mit einem russischen Reifezeugnis gleichzusetzen. Für die Zulassung zu einem russischen Hochschulstudium ist eine Zulassungsprüfung zu absolvieren, da die Anzahl der Studierenden, die aufgenommen werden können, sowie die Studienplätze begrenzt sind.
Die Zugangsprüfungen finden meist im Zeitraum vom 1. Juni bis zum 31. August statt. Informationen zur Zulassung findet man auch auf der Internetseite seiner gewünschten Hochschule. Mit der Zulassung zum Studium erhält man eine Einladung für das Studentenvisum, das in einer konsularischen Vertretung Russlands in Deutschland beantragt werden muss. Weiterhin ist wichtig, dass die sprachlichen Voraussetzungen bereits vor dem Beginn des Studiums so gut sein müssen, dass ein ausreichender Wortschatz an Fachbegriffen eine mühelose Teilnahme am Unterricht und sonstigen Veranstaltungen bietet. Viele Hochschulen bieten zusätzlich kostenpflichtige Sprachkurse an.

4. Kosten und Finanzierungsmöglichkeiten

Die Lebenshaltungskosten sind in Russland abhängig von den sehr unterschiedlichen Regionen. Wer in einer großen Stadt wie Moskau oder Sankt Petersburg studiert, muss natürlich mit monatlich höheren Kosten rechnen, denn je größer die Stadt, desto teurer auch das Leben. In kleineren Städten oder auf dem Land ist es möglich, von 200 Euro im Monat zu leben – Studiengebühren nicht mitgerechnet. Wer in größeren Städten studiert, kann mit etwa 800 bis 1000 Euro pro Monat rechnen.

Von Seiten der russischen Regierung werden ausländische Studierende mit einem monatlichen Stipendium von 75000 RUB, etwa 1700 Euro, unterstützt. Des Weiteren gibt es die Möglichkeiten des Auslands-BAföG oder Stipendien des DAAD oder Erasmus-Programms.

5. Visums- und Einreisebestimmungen

Zwischen Russland und vielen Staaten besteht ein visumfreies Regime, das jedoch in der Regel 1 bis 3 Monate dauert, für Touristen gedacht ist und nicht für einen dauerhaften Aufenthalt im Land geeignet ist. Theoretisch kann ein Student aus einem visumfreien Land mit einem Reisepass nach Russland kommen. Nach Ablauf der zulässigen Aufenthaltsdauer muss er das Land verlassen und erneut ein Studienvisum beantragen. Daher ist es richtiger, sofort ein Studienvisum zu beantragen.
Meist beantragt man zunächst ein einfaches Einreisevisum, um anschließend vor Ort ein Multivisum zu beantragen, das dann zur wiederholten Aus- und Einreise berechtigt.

6. Beliebte Unistädte und die Top Unis

In Moskau – mit rund acht Millionen Einwohnern die größte Stadt Europas – können Studierende zum Beispiel an der Lomonossow Universität in einem sehr modernen und prunkvollen Gebäudekomplex studieren. Einige der besten Universitäten sind das Moskauer Institut für Physik und Technologie, die Staatliche Universität von St. Petersburg, die Staatliche Universität Tomsk, die Staatliche Universität Moskau, das Staatliche Institut für Internationale Beziehungen von Moskau, die Russische Staatliche Universität für Geisteswissenschaften. 

7. Studienalltag und Campusleben

Meistens werden vom Auslandsamt der jeweiligen Fakultät Wohnheimzimmer an ausländische Studierende vermittelt. Russische Wohnheime sind selten komfortabel und haben nur Mehrbettzimmer, sind allerdings unschlagbar günstig und meist zentral gelegen.
Internet, Waschmaschine, Sportangebot, Cafeteria etc. ist fast immer vorhanden. Privatunterkünfte sind wesentlich schwieriger zu organisieren und oft ein vielfaches teurer. Falls man ein Auslandssemester in Moskau plant, sollte extra Geld fürs Wohnen eingeplant werden, falls man kein günstiges Studentenzimmer bekommt. Bei Praktika ist es ratsam, beim Arbeitgeber anzufragen, ob Wohnungen an Praktikanten vermittelt werden.
Auch für die Freizeitbeschäftigung der Studierenden ist in Russland gesorgt. Wie an jeder Uni auch kannst du Sport treiben, an verschiedenen Wettbewerben und Studentenfesten und -festivals teilnehmen, Sprachen lernen und so schnell Anschluss finden in der neuen Stadt. Viele Universitäten haben eigene Studententheater, Sportmannschaften und verschiedene studentische Freiwilligenorganisationen.

Gastgeschenke
In Russland freut man sich vielleicht etwas mehr als hier über kleine Aufmerksamkeiten. Es lohnt sich also ein paar Tafeln "typisch deutsche" Schokolade mitzunehmen und an das Studienbüro etc. zu verteilen.

8. Kulturelle Besonderheiten

Russen sind bekannt für ihre Gastfreundschaft. Sie lieben es, Gäste zu treffen und Freunde und Bekannte selbst zu besuchen. Großzügig gedeckte Tische  sind das Hauptmerkmal solcher Treffen. Selbst wenn Sie zu einer Tasse Tee eingeladen wurden, ist es besser, nicht vor dem Besuch zu essen - die Russen neigen dazu, den Gästen fast alle Vorräte zu Hause vorzulegen, einschließlich ihrer eigenen Zubereitung.
Russen spucken normalerweise über ihre linken Schultern, wenn eine schwarze Katze die Straße überquert; Sie klopfen an den Baum, um ihre Pläne nicht zu verhexen, und pfeifen nicht im Haus, um nicht ohne Geld zu bleiben. Wenn sie in den Raum zurückkehren, nachdem sie eine Kleinigkeit vergessen haben, müssen sie in den Spiegel schauen, bevor sie gehen. Um die Reise zum Erfolg zu führen, muss man immer still vor der Straße sitzen, sagen die Russen. Der Legende nach verspricht nichts Gutes einen zerbrochenen Spiegel oder verschüttetes Salz.